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Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern Glut am Glühen halten.
Jean Jaurès (1859-1914), frz. Politiker (Sozialist)
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Lebenswert - liebenswert - "slow"
Als dritte Stadt in Deutschland wurde Überlingen am Bodensee jetzt in den erlauchten Kreis der "Slow Citys" aufgenommen. Diese Bezeichnung steht für lebenswerte, liebenswerte Orte und entstand als Weiterentwicklung von "Slow Food", dem gesunden, genussvollen Essen als Gegenbewegung zum wenig attraktiven, schnell verschlungenen "Fast Food". Im Zeitalter der Globalisierung und Vermassung soll die Identität der beteiligten Gemeinden und ihrer Bürger gestärkt werden.
Die Slow City-Bewegung stammt aus Italien, wo nach der Eröffnung eines Fast Food-Restaurants an der Spanischen Treppe in Rom Freunde der Ess- und Lebenskultur die Slow Food-Vereinigung gründeten. Daraus entstand die Gruppierung "Citta Slow" oder Slow Citys - kleine, überschaubare Städte mit höchstens 50.000 Einwohnern. Ziele sind Wahrung und Stärkung einer Regionalkultur, wobei die Schwerpunkte auf Umweltpolitik, Infrastruktur, urbaner Qualität, Aufwertung einheimischer Erzeugnisse, Gastfreundschaft und Landschaftserhaltung liegen. Vor allem geht es darum, im Zeitalter der Globalisierung und Vermassung Vielfalt zu erhalten, individuelle Besonderheiten jeder einzelnen Stadt zu pflegen, den Bürgern zu neuem Selbstbewusstsein zu verhelfen und die Wertschätzung für ihre Stadt zu steigern.
Die Slow City-Mitglieder entwickeln einen konkreten Verhaltenskodex und tauschen gegenseitig Erfahrungen aus. Zu der Vereinigung gehören bisher 33 italienische, eine kroatische und nun auch drei deutsche Städte: Hersbruck in Franken, Waldkirch im Schwarzwald und als jüngste Überlingen am Bodensee. Besonders die schon jetzt deutlichen Stärken der Stadt aus den Bereichen gesunde Regionalküche, genussvolles Fasten und Lebensqualität in natürlichem Umfeld werden mit dem Prädikat "Slow Citys" anerkannt. Überlingen verspricht sich von der Aufnahme in diesen Kreis liebenswerter Städte eine nachhaltig umweltbewusste Zukunftsausrichtung.
Geschichte
Überlingen wurde erstmals 770 als Iburinga urkundlich erwähnt. Möglicherweise war die Gunzoburg in der Oberstadt zuvor (641) Sitz des alemannischen Herzogs Gunzo. Um 1180 verlieh Kaiser Friederich Barbarossa dem Ort das Marktrecht, 1211 wurde Überlingen das Stadtrecht verliehen. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt freie Reichsstadt.
Im dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1632 und 1634 erfolglos von schwedischen Soldaten belagert, aber 1643 schließlich doch eingenommen.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluß verlor Überlingen 1803 die Reichsunmittelbarkeit und wurde Teil des Großherzogtums Baden. 1895 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde von Häftlingen des KZ Dachau nahe von Überlingen eine Außenstelle des Konzentrationslagers (KZ Aufkirch) errichtet. Die Häftlinge arbeiteten in Überlingen von Oktober 1944 bis April 1945 an ausgedehnten unterirdischen Anlagen. So auch am Goldbacher Stollen, in dem Friedrichshafener Rüstungsbetriebe vor Bombardierung geschützt sein sollten. Von den mindestens 168 Häftlingen, die die Bauzeit nicht überlebten, liegen 97 auf einem Friedhof in der Nähe der Wallfahrtskirche Birnau begraben.
Bis zur Kreisreform zum 1. Januar 1973 war Überlingen Kreisstadt des Landkreises Überlingen, der dann im Bodenseekreis aufging.
In die internationalen Schlagzeilen geriet die Stadt im Jahr 2002 durch einen Unglücksfall: Am 1. Juli 2002 stieß im Luftraum über der Stadt eine Passagiermaschine der Bashkirian Airlines mit einem Frachtflugzeug der DHL zusammen. 71 Menschen starben bei dem Unglück, darunter viele Kinder, die nach Spanien reisen sollten. Die Trümmer gingen weitgehend im weniger dicht besiedelten Umland der Stadt nieder; am Boden gab es keine Verletzten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gebäude
- Das Münster St. Nikolaus, InnenraumDas Münster St. Nikolaus ist der größte spätgotische Bau am Bodensee mit einem monumentalen Holzaltar (Jörg Zürn) aus der Zeit der Spätrenaissance.
- Rathaus aus der Zeit der Renaissance; den prächtigen Rathaussaal schmücken Holzschnittfiguren von Jakob Ruß
- Greth, 1788 erbaut, einstiges Handels- und Kornhaus
- Franziskanerkirche von 1348 mit barocker Ausstattung
- längste Uferpromenade am Bodensee
- Thermalbad Bodensee-Therme
Brunnen
- „Der Reiter über den Bodensee“ des früheren Töpfers und heutigen Künstlers Peter Lenk
Natur
- Der Stadtgarten mit Hirschgehege, Rosengarten, Kakteen, altem Baumbestand und exotischen Pflanzen
Wirtschaft und Infrasturktur
Mit jeweils etwa 4.000 Beschäftigten sind produzierendes Gewerbe und der Dienstleistungssektor (inklusive dem Tourismus mit 60 Restaurants und 33 Hotels) die größten Arbeitgeber der Stadt. Der Einzelhandel hat sich im WVÜ zusammengeschlossen. Regelmäßige Veranstaltungen sowie die 1997 eingerichtete Fußgängerzone sollen den Einzelhandel gegenüber den außerhalb des Ortes liegenden Einkaufszentren stärken.
Bis in das 19. Jahrhundert war Überlingen größter Getreidemarkt in Süddeutschland.
Überlingen ist ein anerkanntes Kneippheilbad, das einzige in Süddeutschland. Aufgrund der Lage am Bodensee hat die Stadt über 500.000 Übernachtungen im Jahr zu verzeichnen.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Überlingen) |